Anonyme Geburt: Diskret, professionell und sicher

Eine ungeplante oder ungewollte Schwangerschaft bringt viele Frauen in eine schwierige Situation. Im ersten Moment scheint eine Abtreibung der einzige Ausweg zu sein. Doch es gibt Alternativen: Beispielsweise eine anonyme Geburt unter medizinischer und psychologischer Betreuung.

 

Unter einer anonymen Geburt versteht man eine von Ärzten und Hebammen begleitete anonyme Entbindung in einem Krankenhaus. Sie läuft ähnlich wie eine herkömmliche Geburt ab und unterscheidet sich davon nur in einem Merkmal: Du musst Deinen Namen nicht preisgeben, keinen Ausweis zur Identifikation vorlegen und keine Formalitäten ausfüllen. Die Entscheidung dafür treffen Frauen aus verschiedenen Gründen. Oft sind berufliche, familiäre oder andere persönliche Probleme der Auslöser, dass eine Frau das Kind nach der Geburt nicht behalten möchte.

 

Anonyme Geburten in Österreich

 

Seit dem Jahr 2001 gibt es eine für Frauen gesetzlich erlaubte Möglichkeit, eine Geburt in Krankenhäusern auch anonym durchzuführen. Ziel dieses Angebotes ist es, die ärztliche Betreuung, die sichere Entbindung und das Wohlergehen der Frau und des Kindes zu gewährleisten. Dadurch soll verhindert werden, dass eine Frau ihr Kind alleine, heimlich und an einem für eine Geburt ungeeigneten Ort zur Welt bringt und ihr Kind in weiterer Folge weglegt. Anonyme Geburten werden mittlerweile in jedem Bundesland und in fast allen Krankenhäusern angeboten – hier findest Du eine vollständige Liste mit allen Krankenhäusern in Österreich, die diese Form der Geburt anbieten.

 

Ablauf einer anonymen Geburt

 

Nicht nur eine Geburt kann anonym erfolgen, sondern auch die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen im Vorfeld. Die für die Untersuchungen und die Geburt anfallenden Kosten werden hier vom Krankenhaus getragen. Im Idealfall nimmst Du schon vor der bevorstehenden Entbindung Kontakt mit einem Krankenhaus auf und äußerst Deinen Wunsch nach einer anonymen Geburt. Das ist aber keine Notwendigkeit, um diese in einem Krankenhaus durchführen zu können. Der Ablauf unterscheidet sich nur in einem Punkt von einer herkömmlichen Geburt: Du bist unter einem Namen und Geburtsdatum Deiner Wahl im Krankenhaus angemeldet – Deine Identität kannst Du natürlich jederzeit auf eigenen Wunsch preisgeben. Die Geburt Deines Kindes findet in Gegenwart ärztlichen Personals und einer Hebamme statt. Die für eine Geburt notwendige medizinische und psychologische Betreuung ist gewährleistet. Nach der Geburt hast du auch ein wenig Bedenkzeit, in der Du Dir nochmals überlegen kannst, ob Du das Kind doch behalten möchtest und aus der Anonymität trittst oder ob Du das Krankenhaus ohne das Kind verlassen willst.

 

Unterbringung bei einer Pflege- oder Adoptivfamilie

 

Entscheidest Du Dich für letzteres, wird das Kind nach der anonymen Geburt an das Jugendamt übergeben, das eine geeignete Pflegefamilie für die vorübergehende Unterbringung des Kindes auswählt. Pflegefamilien sind meist Familien, die schon seit langer Zeit einen Kinderwunsch haben, aber aus unterschiedlichen Gründen selbst keine leiblichen Kinder bekommen können. Warum das Kind zuerst nur zur Pflege freigegeben wird, hat folgenden Grund: Du hast innerhalb einer bestimmten Frist – die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet, in der Regel sind es sechs Monate – die Möglichkeit, Dich an das Jugendamt zu wenden und Deine Entscheidung zu widerrufen. Verstreicht diese Frist, wird das Kind zur Adoption freigegeben und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von seiner bisherigen Pflegefamilie adoptiert.

 

Persönlicher Brief für Dein Kind

 

Wächst Dein Kind bei einer Adoptivfamilie auf, hat es irgendwann bestimmt einmal den Wunsch, mehr über seine Abstammung, Herkunft und die Hintergründe zu erfahren. Aus diesem Grund hast Du jederzeit die Möglichkeit, einen persönlichen Brief beim Jugendamt, im Krankenhaus oder im Referat für Adoptiv- und Pflegekinder zu hinterlegen. Ist das Kind volljährig, kann es diesen Brief abholen. Neben ein paar persönlichen Zeilen ist es für das Kind oft hilfreich, folgende Informationen zu erfahren:

 

  • Eckdaten der Mutter und eventuell des Vaters: Alter, Beruf, Familienstand, Religion, und Staatsangehörigkeit
  • Informationen zu den Umständen und dem Verlauf der Schwangerschaft
  • Beweggründe für die anonyme Geburt und die Freigabe zur Adoption

 

Du möchtest noch mehr über die anonyme Geburt wissen? Unsere erfahrenen Beraterinnen helfen Dir gerne weiter.